Wie bereits im vergangenen Jahr hat Nationaltrainer Sean Simpson an der U20-WM den Staff der Schweizer Mannschaft unterstützt. "Es ist sehr wichtig für die Zukunft, engen Kontakt zu halten. Ich lerne viel als Coach." Im Interview mit der Sportinformation analysiert er das Abschneiden der Schweizer.Sean Simpson, das Team hat mit dem Ligaerhalt das Minimalziel erreicht, die angestrebte Qualifikation für die Viertelfinals wurde allerdings verpasst. Was überwiegt: das Positive oder das Negative?
"Im vergangenen Jahr wurden wir Fünfte, nachdem wir in der Vorrunde Deutschland 4:3 und die Slowakei 6:4 (das 6:4 war ein Schuss ins leere Tor, die Red.) geschlagen hatten. In diesem Jahr ist es in die andere Richtung gegangen. So läuft es bei diesem Turnier, der Unterschied zwischen Viertelfinal oder Abstiegsrunde ist minim. Die Leute in der Schweiz müssen realisieren, dass es nicht ein Junioren-Turnier ist. In Nordamerika und in Schweden sind die Junioren ein grosser Bestandteil des Eishockeys. Das ist ein professioneller Anlass. Wenn wir um 11 Uhr morgens in der Abstiegsrunde gegen Dänemark spielen und 10'000 Zuschauer im Stadion sind, sagt das vieles aus. Für uns ist eine Platzierung zwischen Rang 5 und 8 normal. Die Mannschaft hat alles gegeben, die Trainer haben einen ausgezeichneten Job gemacht. Man muss froh darüber sein."
Im entscheidenden Spiel gegen die Slowakei ist die Mannschaft nach dem 4:2 in der 41. Minute eingebrochen. Auch die Teamleader haben in dieser Phase versagt. Wie kann das passieren?
"Das kann ab und zu passieren, das gehört zum Sport. Wie kann es passieren, dass Kanada gegen Russland nach einem 1:6 in den letzten elf Minuten beinahe noch ausgeglichen hat? Das war das beste Beispiel dafür, wie es auf dem U20-Niveau laufen kann. Die USA waren vor zwei Jahren Weltmeister, nun mussten sie in die Abstiegsrunde. Das ist Eishockey. Wir müssen aus der Partie gegen die Slowakei lernen und weitergehen."
Die Mannschaft hat an diesem Turnier zwei Gesichter gehabt. Wo muss man den Hebel ansetzen, um dies zu verhindern?
"Das ist nicht das erste Mal, dass die Schweizer Mannschaft zwei Gesichter zeigt. Das ist fast immer so. Wir haben mehrmals bewiesen, dass wir gegen alle Gegner mithalten können. Wir waren besser als Russland, wir haben in der Verlängerung gegen Schweden verloren. Eines dieser beiden Teams wird Weltmeister. Aber die Konstanz fehlt ab und zu. Wenn wir der Favorit sind, haben wir Schwierigkeiten. Das ist seit 30, 40 Jahren so. Ich habe keine Lösung."
Muss mehr im mentalen Bereich gemacht werden?
"Ja. Das ist nicht nur bei der U20 so. Die mentale Seite ist sicher nicht unsere Stärke. Auch in der A-Nationalmannschaft und in der Liga ist es ab und zu das Gleiche. Wenn die Mannschaft gegen Dänemark (4:3 n.V.) dermassen nervös ist, dass sie nicht funktioniert, dann muss man das schon hinterfragen. Das war erstaunlich. Das hat nichts mit dem Coaching zu tun, sondern ist allein auf das Mentale zurückzuführen. Wir müssen fähig sein, in solchen Spielen unser normales Niveau zu bringen."
Im Gegensatz zum U20-Team ist Ihr Aufenthalt in Nordamerika noch nicht zu Ende. Sie gehen nun sämtliche NHL-Spieler besuchen. Das ist ein hartes Programm.
"Es ist eine ganz neue Aufgabe für den Schweizer Nationalcoach, so viele Leute im Ausland zu haben. Der Kontakt ist sehr wichtig. Sie müssen das Gefühl bekommen, dass sie zum Schweizer Eishockey gehören, obwohl sie in Nordamerika tätig sind. Wir brauchen sie, wenn sie an der WM spielen können. Das ist meine Message. Es wird super werden."




